Was haben wir unseren Flüssen angetan?

In weniger als 200 Jahren haben wir Tausende Kilometer Fliessgewässer begradigt und ihrer Dynamik beraubt. Jetzt ist es höchste Zeit, ihnen wieder Raum zu geben.

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Wie wir unseren Flüssen
die Freiheit nahmen

«Im 19. Jahrhundert war man stolz darauf, die Flüsse
in die Schranken gewiesen und die wilde Natur gebändigt zu haben.»

Verbreiterungs- und Vertiefungsarbeiten im Rahmen der 2. Juragewässerkorrektion. Unten Mitte, links vom Broyekanal: Neuhof, rechts der bewaldete Hügel: Mont Vully, Mitte bis oben links, mit spitzem Winkel auf den Betrachter zulaufend: der sogenannte Staatswald, Mitte links an die Broye reichend: noch einmal ein Staatswald, Hügelzug im Hintergrund: FrienisbergUrs Witmer: Lac de Neuchâtel, Mündung Broyekanal, Ausbauarbeiten im Rahmen der 2. Juragewässerkorrektion, Blick nach Südosten (SE)Vertiefung des Gerinnes und Uferbefestigung im Rahmen der 2. JuragewässerkorrektionIm Kanal Arbeiten zur 2. Juragewässerkorrektion: Vertiefung des Gerinnes, Befestigung der Ufer mittels Blockwurf unterhalb Wehranlage PortIm Kanal Arbeiten zur 2. Juragewässerkorrektion: Vertiefung des Gerinnes, Befestigung der Ufer mittels Blockwurf unterhalb Wehranlage PortVon links: Port, Ipsach, Nidau, unten: Wehranlage und Schleuse Port, Ausfluss aus dem Bielersee: Baggerarbeiten im Rahmen der 2. JuragewässerkorrektionEines der Hauptwerke der ersten Juragewässer-Korrektion: direkte Ableitung der Aare in den Bielersee, genannt Hagneck-KanalOrtschaft unten links: Pleidelsheim am Neckar, rechts am Neckar-Aussenarm: Beihingen und am rechten Bildrand: Freiberg a.N., oben links des Neckars: Marbach, rechts Benningen; Flugzeug, mit dem der Probeflug durchgeführt wurde: vermutlich Clark GA-43, CH-169
Schweiz · ab 1850

Verbreiterungs- und Vertiefungsarbeiten im Rahmen der 2. Juragewässerkorrektion. Unten Mitte, links vom Broyekanal: Neuhof, rechts der bewaldete Hügel: Mont Vully, Mitte bis oben links, mit spitzem Winkel auf den Betrachter zulaufend: der sogenannte Staatswald, Mitte links an die Broye reichend: noch einmal ein Staatswald, Hügelzug im Hintergrund: Frienisberg

Warum?

Die Abholzung führte dazu, dass Unmengen an Geröll in die Täler gespült wurden. Flussbetten stiegen an, Flüsse traten über die Ufer, es bildeten sich Sümpfe – und mit ihnen breitete sich Malaria aus. Die Begradigung war keine Gier, sondern eine Frage des Überlebens. Hochwasserschutz, Landgewinnung und die Bekämpfung von Malaria waren die Triebkräfte einer landesweiten Ingenieursleistung.

Was geschah

Tausende Kilometer Flüsse wurden in gerade Kanäle geleitet. Die Jurabewässerung verwandelte ein Malariasumpfgebiet in einen Gemüsegarten. Die Ingenieure wurden gefeiert.

Der Preis

Mäander wurden beseitigt. Auen wurden trockengelegt. Der dynamische Flusskorridor – Lebensraum für 40 % der Schweizer Arten – begann zu verschwinden.

Die Begradigung der Schweizer Flüsse war kein Akt der Gleichgültigkeit. Nach den Maßstäben jener Zeit war sie vernünftig – ja sogar heroisch. Malaria forderte im Schweizer Flachland zahlreiche Todesopfer. Überschwemmungen zerstörten Bauernhöfe und Dörfer. Ingenieure, bewaffnet mit Schaufeln und Dynamit, taten, was die Zeit von ihnen verlangte: Sie zähmten das Wasser.

Das Tragische daran war nicht die Absicht, sondern das Ausmaß der kumulativen Auswirkungen. Fluss für Fluss, Jahrzehnt für Jahrzehnt hat die Schweiz eines der reichsten Auenökosysteme Europas zerstört – nicht durch einen einzigen Akt der Zerstörung, sondern durch zehntausend kleine bauliche Entscheidungen, die jeweils völlig vernünftig erschienen. Als der Schaden sichtbar wurde, waren die meisten Flüsse bereits verschwunden.

Die Thur: Es funktioniert!

22 Kilometer Fliessgewässer. 30 Jahre Arbeit. Ein Fluss, der wieder atmet — und beweist, was möglich ist.

Nachher — Thur Frauenfeld

Vorher — Thur Frauenfeld

Bildmaterial: www.lebendigethur.ch / Thur · Frauenfeld

Eisvogel

Eisvogel

Alcedo atthis

Eisvogel

Brutbestand an der zürcherischen Thur

Ganga Raj Sunuwar / CC BY-SA

Bachneunauge

Bachneunauge

Lampetra planeri

Bachneunauge

Kommt vereinzelt wieder in diesem Thurabschnitt vor

Jelle Wissink / CC BY-SA

Köcherfliege

Köcherfliege

Brachycentrus subnubilus

Tippen für Details — alle Arten seit Projektabschluss 2017 dokumentiert

25

Fischarten in der Thur zwischen Eggrank und der Mündung

inkl. anspruchsvoller Kieslaicher wie Nase und Barbe

40

an einer Stelle bereits um über 40 Meter seitwärts verlagert seit 2017

schafft ständig neuen Lebensraum (Kiesbänke, Pionierflächen)

79

Arten Wasserinsekten

(Eintags-, Stein-, Köcherfliegen), davon 18 Rote-Liste-Arten und 15 National Prioritäre Arten

Die Thur ist kein Einzelfall. Sie ist ein Modell — replizierbar, finanzierbar, beweisbar. Was das für deinen Fluss bedeutet →

Stell dir vor, du siehst Libellen tanzen.

Nicht in einem Naturschutzgebiet. Nicht hinter einem Zaun. Sondern am Ufer des Flusses, der durch deine Ortschaft fliesst — jenem Fluss, der heute zwischen Betonwänden eingeklemmt, begradigt, still ist.

Das ist keine Utopie. Es ist Ökologie. Und sie wartet bereits darauf, zurückzukehren.

Natürlicher Hochwasserschutz

Intakte Auen reduzieren Hochwasserspitzen, die sonst Schäden in Millionenhöhe verursachen würden.

Sauberes Grundwasser

Ein renaturierter Uferstreifen von 30 m kann die Nitratbelastung eines Baches um bis zu 80 % reduzieren.

Erholungsraum für Menschen

Renaturierte Abschnitte werden zu Orten, an die Menschen zurückkehren wollen — zum Schwimmen, Spazieren, Innehalten.

01

Politischer Wille auf Kantonsebene

Die Kantone sind verantwortlich für die strategischen Revitalisierungsplanungen. Wo Gemeinden und Bürgerinnen Druck ausüben, entstehen Prioritäten. Wo geschwiegen wird, passiert nichts.

02

Technisches Wissen

Renaturierung ist eine Ingenieursaufgabe — komplex, kostspielig und lohnenswert. Firmen wie Bänziger Kocher Ingenieure AG haben das Fachwissen. Was fehlt, sind mehr wertvolle Aufträge.

03

Gesellschaftliche Nachfrage

Das ist deine Rolle. Kein Kanton investiert in das, was niemand einfordert. Die Thur entstand, weil Menschen es wollten — und weil jemand den Prozess in Gang gesetzt hat.

Welcher Fluss fliesst durch deine Region — und was könnte er werden?

Nationale Übersicht

Deine Region. Dein Fluss.

Das Gewässerschutzgesetz verpflichtet alle Kantone, strategische Revitalisierungsplanungen zu erstellen — Für die Revitalisierung der Fliessgewässer müssen die Kantone diese bis Ende 2026 verabschieden — Das ist unser Zeitfenser.

Oben links kannst du die Karte vergrössern. Rechts findest du die Legende zu den Daten und kannst einzelne Datensätze ein- oder ausblenden. In der Fachansicht stehen dir zusätzliche Datenebenen zur Auswahl.

Kartendaten: swisstopo · BAFU Revitalisierungsplanungen 2024 · WMS geo.admin.ch

Drei Wege, jetzt zu handeln

Renaturierung braucht Druck von unten und Kompetenz von oben gleichzeitig. Hier ist deine konkrete Rolle — egal wer du bist.

Schreibe deiner Kantonsregierung

Die Kantone sind verantwortlich für die Revitalisierungsplanungen. Eine direkte Anfrage von Bürgerinnen hat Gewicht — besonders vor dem Planungsupdate 2036.

Fertig in 10 Minuten. Wir liefern den Text, Du den Namen.

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Füge dein Logo und deine Stimme zur Bewegung hinzu. Wir stelle dir das Kampagnenmaterial zur Verfügung — Sie bringen das Netzwerk.

WWF, Pro Natura, Fischereiverbände — alle willkommen.

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Das Modell Thur ist replizierbar. Die Geodaten der kantonalen Planungen sind öffentlich. Was fehlt, ist jemand, der den Prozess anstösst.

Wir verbinde dich mit den richtigen Ingenieur- und Planungsbüros.

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Die kantonalen Revitalisierungsplanungen werden Ende 2026 aktualisiert. Das ist die Möglichkeit, zu zeigen, dass uns das Thema am Herzen liegt.